© Gloria Kern – GloKe
Grau liegt der Nebel über dem See. Eisblau ragen die Zacken der Berge in der Ferne in den Himmel wo die warme Sonne unbeirrt über das Land strahlt. Das dumpfe Horn des Linienschiffs dröhnt durch die Nebelschwaden bis ans Ufer. Gleichmäßig klatschen die sanften Wellen gegen die morschen Pfähle des Stegs.
Grazile Fischchen wogen im seichten Wasser im Takt der Wellen hin und her. Ihre glasigen, fast durchsichtigen Körper unterscheiden sich vom eintönig steinernen Untergrund nur durch ihr rhythmisches Schwänzeln bis sie mit dem Sog der Brandung in den dunkelblauen Tiefen des Sees wieder verschwinden wo in moosigen Unterwasserwäldern giftgrüne Schlingpflanzen meterhoch der Sonne entgegen klettern, ihre fransigen Äste ineinander verwoben mit der Strömung treiben, das sich an der Wasseroberfläche reflektierende Licht brechen und die Sicht trüben.
Mit jedem Schritt knirscht der Kies am Weg, der zwischen dem See und dem Wald zum Bootshaus führt. Der herbe zitrus Duft seiner Nadeln tränkt die feuchte Luft. Eifrig trommelt ein Specht gegen Holz. Ruckartig stürzt sich ein Eichkätzchen aus dem Wipfel einer riesigen Tanne, hastet kopfüber in Zickzack-Linien die gefurchte Rinde hinab und verschwindet eilig im Gehölz des Waldbodens. Wuchtige Wurzeln brechen den Waldweg bis zur Felswand auf, die den Zugang zum anderen Ufer versprerrt.
Der Hauch des Atems wandert in der kalten Luft immer einen Schritt voraus bis sich das fragile Nebelwölkchen vor dem Gesicht in Nichts auflöst, um sich mit dem nächsten Atemzug wieder zu bilden; die Hände in den Manteltaschen zu Fäusten geballt so, als würde die Anspannung gegen die Kälte und gegen die Angst helfen.
Das Linienschiff ist für heute auf seine letzte Fahrt. Beim Anlegen stößt sein massiger Rumpf immer wieder gegen die knarrenden Bretter des Passagierstegs der bedrohlich mitschaukelt und deren rostige Verankerungen dabei laut quietschen. Passagiere steigen ein und aus. Schließlich legt das Schiff ab. Der schwingende Steg pendelt sich wieder in seiner Mitte ein und verharrt ruhig im unsteten Gewässer.
Der Nebel hat sich gelichtet. Am anderen Ufer ist das Dorf zu erkennen, mit seiner alleeartigen Seepromenade, den geschlossenen Cafés und den Pensionen, die wie in einem Schaubild aneinander gereiht, scheinbar an den bewaldeten Hügeln lehnen.
Mit der Dämmerung verschwimmen die unterschiedlichen, die feinen Töne des Waldes, des Wassers, der Landschaft und der eisblauen Bergen in der Ferne in das allesverschlingende neutrale, stille Dunkel der hereinbrechenden Nacht.
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